
(Chemnitz, 01. Juni 2026) Die STC Spinnzwirn GmbH hat beim Amtsgericht Chemnitz einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Gericht hat daraufhin mit Beschluss vom 27.05.2026 das vorläufige Verfahren angeordnet und Rechtsanwalt Joachim Voigt-Salus von der Kanzlei VOIGT SALUS. Rechtsanwälte und Steuerberater PartG mbB zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Der Geschäftsbetrieb des Maschinen- und Anlagenbauers wird uneingeschränkt fortgeführt. Das Unternehmen produziert unter anderem Hochgeschwindigkeitswickler und Kunststoffextrusionsanlagen. Auslöser der wirtschaftlichen Krise waren insbesondere schwache Auftragseingänge. „Unser Ziel ist es, gemeinsam mit allen Beteiligten eine langfristige Lösung für das Unternehmen zu entwickeln – sei es im Wege einer Sanierung innerhalb der bestehenden Struktur oder durch eine übertragende Sanierung. Der Kern des Unternehmens ist gesund. Daher bin ich zuversichtlich, dass sich für STC Spinnzwirn eine tragfähige Perspektive ausarbeiten lässt“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Joachim Voigt-Salus. Erste stabilisierende Maßnahmen wurden bereits umgesetzt. Die Löhne und Gehälter der rund 140 Beschäftigten – darunter sechs Auszubildende – sind über das Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit für die Monate Mai, Juni und Juli gesichert. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird derzeit zum 1. August 2026 gerechnet. Ein vorläufiger Gläubigerausschuss wurde bereits eingesetzt.
Auch die Geschäftsführung blickt zuversichtlich auf die kommenden Wochen. „Wir wissen, dass die Einleitung des Insolvenzverfahrens für unsere Beschäftigten, Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner ein einschneidender Schritt ist. Umso dankbarer sind wir für die Loyalität, den Einsatz und das Vertrauen, das uns in dieser herausfordernden Phase entgegengebracht wird. Besonders stolz sind wir auf unsere Mitarbeiter, die den Geschäftsbetrieb mit großem Engagement und Kampfgeist aufrechterhalten“, sagt Geschäftsführer Ingo Meier. Betriebswirtschaftlich begleitet wird das Insolvenzverfahren durch die Anchor Management GmbH.
Geschäftsbetrieb läuft weiter, Sanierungsoptionen werden geprüft
Der Geschäftsbetrieb wird auch während des vorläufigen Verfahrens fortgeführt: „Unsere laufenden Kundenaufträge werden weiterhin bearbeitet. Unsere Ansprechpartner stehen Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern wie gewohnt zur Verfügung. Derzeit konzentrieren wir uns auf die Restrukturierung des Unternehmens und die Umsetzung der nächsten Schritte im Verfahren“, erklärt Geschäftsführer Nico Dürrschmidt. Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation wird das geplante Erweiterungsvorhaben an der Carl-Hertel-Straße vorerst zurückgestellt. Damit sollen die verfügbaren Ressourcen gezielt auf die Restrukturierung des Unternehmens und die Stabilisierung des Geschäftsbetriebs konzentriert werden.
Das Sanierungsteam hat seine Arbeit bereits aufgenommen. In den kommenden Wochen werden die bestehenden Handlungsoptionen umfassend geprüft und eingeleitet, dazu gehört auch ein internationaler Investorenprozess. Ziel ist in jedem Fall, eine tragfähige Fortführungslösung für das Unternehmen zu erreichen. Die Verantwortung für die Investorensuche übernimmt M&A-Experte Simon Leopold, der gemeinsam mit seinem Team von ABG Consulting-Partner potenzielle strategische Investoren ansprechen wird.
Schwache Auftragslage führte zur Krise
Die STC Spinnzwirn GmbH hat ihren Ursprung im Jahr 1866 und hat sich über viele Jahrzehnte hinweg zu einem spezialisierten Anbieter im internationalen Maschinen- und Anlagenbau entwickelt. Heute produziert und vertreibt das Unternehmen unter anderem Maschinen und Anlagen zur Herstellung von Monofilament sowie Folienbändchen, etwa für Teppiche, Kunstrasen, Landwirtschafts-, Agro- und Geotextilien. Während der Corona-Pandemie verzeichnete das Unternehmen eine hohe Nachfrage. In den vergangenen Jahren hat sich das Marktumfeld jedoch erheblich eingetrübt. Schwache Auftragseingänge, geopolitische Unsicherheiten sowie anhaltende Investitionszurückhaltung aufgrund gestiegener Rohstoffkosten in wichtigen Absatzmärkten wie dem arabischen Raum führten zu deutlichen Rückgängen bei Umsatz und Ergebnis. Außergerichtliche Maßnahmen konnten den zunehmenden Liquiditätsdruck nicht ausreichend abfedern. Vor diesem Hintergrund wurde der Schritt in ein gerichtliches Sanierungsverfahren erforderlich.
Über die STC Spinnzwirn GmbH
STC Spinnzwirn liefert Hightech-Textilmaschinen und Anlagen aus Chemnitz in die ganze Welt. Das Unternehmen hat seinen Ursprung 1866 und ist mit seinen zwei Geschäftsbereichen führender Hersteller von Komplettlösungen und Einzelkomponenten für die Extrusion von Monofilamenten und Folienbändchen sowie von Hochgeschwindigkeitswicklern und Zubehör für Chemiefaser-Spinnereien. Das Portfolio umfasst neben der Anlagenherstellung auch die nachgelagerten Prozesse: Aufspulen, Texturieren, Umwinden und Zwirnen.
Mehr Informationen: https://www.stc-spinnzwirn.com/de/




