Das seit zwei Jahren in Insolvenz befindliche Werk der Dessauer Schaltschrank- und Gehäusetechnik GmbH an der „Alten Landebahn“ übernimmt die aus Neustadt (Wied) bei Bonn stammende HENNECKE Unternehmens-Gruppe. Dies teilte der Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Joachim Voigt-Salus (51), mit. Er habe dazu einen notariellen Kaufvertrag abgeschlossen. Dieser sieht einen Betriebsübergang mit 100 Arbeitsplätzen mit Stichtag zum Jahreswechsel vor.

Das Unternehmen stellt komplexe Schaltschränke und Großgehäuse mit zum Teil über 3.000 Komponenten her und erwirtschaftet Jahresumsätze von knapp 12 Mio. Euro. Es gehört im Bereich der Bahntechnik zu den Marktführern.

Voigt-Salus hat als Insolvenzverwalter mit Büros in Berlin und Leipzig das Unternehmen mit mehr als 130 Arbeitnehmern seit März letzten Jahres fortgeführt. Ihm gelang dies aufgrund einer Vereinbarung mit den drei Gläubigerbanken, die gegenüber den Top-Kunden die Fortführung zusicherten. Im Gegenzug verpflichteten sich diese Kunden (darunter auch Bombardier) weitere Aufträge zu platzieren. Voigt-Salus: „Aufgrund dieser Kooperationsverpflichtung war es möglich, Sanierungsmaßnahmen einzuleiten und umzusetzen.“ Er konnte sogar über 500.000 Euro in den zurückliegenden Monaten in neue Hebe-, EDV- und Klebetechnikanlagen investieren.

Voigt-Salus sieht das Unternehmen nun auf einem guten Weg. Einziger Wermutstropfen sei, dass nicht alle Arbeitsplätze erhalten werden konnten. Für die knapp nötigen 30 Kündigungen werde er mit dem Betriebsrat einen Interessenausgleich und Sozialplan vereinbaren. Dieser werde auch die Einschaltung einer Beschäftigungsgesellschaft vorsehen, in die die betroffenen Arbeitnehmer wechseln können.

Das Dessauer Unternehmen gehörte zu der GEYER-GRUPPE. Diese war ein mittelständisches Familienunternehmen, das seit 1945 in Berlin und seit 2004 in Dessau in den Geschäftsfeldern Elektronik, Mechatronik, Feinmechanik, Umformtechnik sowie Schaltschrank- und Gehäusetechnik mit 500 Arbeitnehmern tätig war.

Die Unternehmensgruppe war infolge der Finanzkrise 2008 in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Als Folge der Finanzkrise brachen binnen Wochen die Aufträge massiv ein. Die Erweiterungsinvestition in Dessau erfolgte mitten in dieser Krise. Davon konnte sich die Gruppe nicht mehr erholen. Die Insolvenzverfahren über die Berliner Betriebe konnten von dem Unternehmen in Eigenverwaltung bereits im April letzten Jahres abgeschlossen werden. Voigt-Salus war dort Sachwalter.

Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete ausführlich.


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